Günther Hermann  und Bodo W. Klös
Malerei, Zeichnung & Radierung

17. Juli bis 15. August 2021 im Dormitorium Kloster Arnsburg, Lich
Aufgrund der aktuellen Lage findet keine klassische Vernissage statt.

Führung durch die Ausstellung mit Dr. Friedhelm Häring:
am Samstag, den 17. Juli 16.00 Uhr und am Samstag, den 31. Juli 14.00 und 16.00 Uhr
Künstlergespräch mit Bodo W. Klös:
Samstag den 24. Juli 16.00 Uhr sowie Samstag, den 7. August 16.00 Uhr
Finissage am Sonntag, den 15. August 16.00 Uhr

Öffnungszeiten:  Montag bis Freitag 14.00 - 18.00 Uhr,  Samstag und Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr

Hermann und Klös, beide Schüler des Grafikers Gerhard Sturm, kennen sich seit über 40 Jahren. 1984 gehörten sie zu den sechs Gründungsmitgliedern der früheren Produzentengalerie 42 in Gießen und werden heute von der edition noir. in Lich vertreten. Seitdem zahlreiche gemeinsame Ausstellungen. Arbeitsreisen führten die beiden Künstler zusammen in die Provence und ins Wattenmeer nach Ostfriesland. Verwurzelt im heimischen Oberhessen, jedoch mit Ausstellungen und Messen deutschlandweit und im Ausland vertreten, wurden sie Freunde.
Seit den 80er Jahren begleitet der Kunsthistoriker und frühere Museumsdirektor Dr. Friedhelm Häring die Arbeit der beiden Künstler und ist mit ihnen freundschaftlich verbunden.

Die schon im Frühjahr 2020 von Hermann und Klös geplante Ausstellung wurde durch den plötzlichen Tod von Günther Hermann im Dezember 2020 in Frage gestellt. Auf Günthers ausdrücklichen Wunsch und in Zusammenarbeit mit seiner Familie, findet die gemeinsame Ausstellung nun im Sommer 2021 statt.
   
 
         aus der Reihe 21MAL30

Zur Ausstellung erscheinen zwei Kataloge mit Texten von Dr. Friedhelm Häring mit zahlreichen Farbarbbildungen
in Zusammenarbeit mit dem Buchkunstverlag Müth und edition noir.                     Preis je  Euro 12,-

   
In Memoriam Günther Hermann: Seine Farbradierungen, die in ihrer Ausdruckskraft und Farbgestaltung an die großen Impressionisten erinnern, faszinieren durch ihre statische Ruhe und ihre geradezu Van Gogh’sche Bewegung gleichermaßen. Es scheint, als habe sich der Künstler, etwa bei der »Allee auf Rügen« in das Wesen der Bäume hineinversetzt, um sie zu porträtieren. Dafür spricht auch das von ihm geschriebene und illustrierte Buch »Faszination Bäume«, in dem er sich mit diesen Lebewesen gründlich auseinandersetzt. Ein Seerosenteich zeigt sich in Monet’scher Pracht, und Landschaftsgärten in Wörlitz oder Stourhead ruhen paradiesisch schweigsam in sich. Lavendelfelder bis zum Horizont duften vernehmbar, und beim wiegenden Klatschmohn spürt man den Wind über den Feldern.
Seit Jahrzehnten malt Hermann die Natur als Freilichtmaler, skizziert, fotografiert und zerlegt die Farberscheinungen der Welt in Radierungen, die er mit nur drei Kupferplatten im passgenauen Übereinander aus ihrer Farbzerlegung in Blau, Gelb, Rot wiedergewinnt. Es ist dieser jahrzehntelangen Beschäftigung mit der Auflösung des Gesehenen in Farbe zu verdanken, die den Künstler befähigte, uns heute mit diesem Zauber an Malerei zu beschenken.
 

Bodo W. Klös: In seinen Bildern lebt das versonnene Staunen vor einer toten Kröte, wie der wachverträumte Blick auf pralle Weiblichkeit. Ein Wurzelstück oder ein welkes Blatt sind ihm Anlass zur Betrachtung, zum Nachdenken und Zeichnen, auch die Figurinen der Zeiten im kuriosen Theater der Welt. Er relativiert die Dinge und Menschen, misst sie am Alltag, an seinem Leben. Er zeigt im Radieren und Zeichnen die Fesselung an die Geschlechtlichkeit und die Furcht vor dem Tod, die Verzweiflung am Leben und die Lebensfreude. Die Kunst von Bodo Klös besitzt sozial engagiertes Profil, er durchdringt sie teils symbolisch und mit seinen Möglichkeiten der Poetisierung.
In seinen Einzelblättern, Illustrationen, Büchern, Mappenwerken verdeutlicht er Alltag und das Heute, den Etikettenschwindel und die geheimen Freuden, die zärtlichen Tröstungen. Was seine Kunst sympathisch macht, ist, dass sie nicht distanziert, ironisch, sarkastisch ist, dass man vielmehr eine liebevolle Anteilnahme spürt. Jedes Blatt, das er bezeichnet, überzeichnet, bekratzt, ist ein Kalenderblatt vor dem jüngsten Tag. Da tröstet der frivole Reiz so mancher Dame, die mit laszivem Raffinement sich streckt und dehnt. Die Freude an schön geformter Nudität besitzt bei ihm eine selbstverständliche Großzügigkeit.