Eine fast beängstigende Präzision

Günther Hermann zeigt seit gestern in Dahn porträthafte Bilder von Bäumen 

Von Peter Johann

"Ich habe noch nie so porträthafte Bilder von Bäumen gesehen, wie sie Günther Hermann hervorbringt", sagte Karl Kissel von der Kunstvereinigung Wasgau bei der Vernissage der Bilder des Giessener Malers und Grafikers in den Ausstellungsräumen der Galerie N im alten Dahner Rathaus. Gestern wurde die Ausstellung eröffnet.

Ein Olivenhain in Andalusien

"Mit einer fast beängstigenden Präzision erfasst Günther Hermann das innerste Wesen eines Baumes, und es sind vorwiegend die alten und mächtigen Bäume, die seine reife Kunst am reifen Objekt brillieren lassen", geriet Karl über die Betrachtung der Radierungen ins Schwärmen. In aller Regel kann der Radierer auf die Linie, auf den Strich nicht verzichten, weil er sonst Schwierigkeiten mit der Farbabgrenzung bekommen kann. "Bei Günther Hermann ist das ganz anders", beschrieb Karl Kissel die Vorgehensweise des Künstlers.

Er verzichtet auf die Strichätzung und arbeitet ausschließlich in der Fläche. So erhalten seine Radierungen den Charakter von Gemälden. Diese Wirkung könne man nur über den Preis der Faktoren Zeit und Arbeit erzielen. Denn die Vielzahl der Farbabstufungen hänge von der Anzahl der Ätzvorgänge ab. Günther Hermann komme, so Karl Kissel, auf bis zu 20 Ätzvorgänge von drei Platten in den Primärfarben Gelb, Rot und Blau. Dabei benötige der hellste Ton etwa eine Minute Ätzzeit, der dunkelste bist zu drei Stunden.

Günther Hermann beschränkt sich jedoch nicht auf die Farbradierung allein. Karl Kissel imponiert auch die unvergleichliche Präzision, mit welcher der Künstler auch seine Aquarelle und Acrylbilder malt: "Es fällt auch dem geübten Auge nicht leicht, die einzelnen Techniken auf den ersten Blick zu unterscheiden". Das Werk Günther Hermanns ist in einem reich bebilderten und in der Ausstellung zu erwerbenden Buch dargestellt und wurde dort von einem Botaniker, Museumsdirektor, Kunsthistoriker, Grafiker, Zeichner, Maler sowie Schriftsteller unter die Lupe genommen. Den Kontakt zu dem Giessener Maler und Grafiker hat Karl Kissel bei der Frankfurter Buchmesse 1999 geknüpft.

Die Ausstellung in der Galerie N ist noch bis 27. August mittwochs, donnerstags, freitags und sonntags zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet.

Pirmasenser Zeitung vom 07.08.2000 

 

Zitat:  Pirmasenser Zeitung

 

Datenschutz