Main Echo - Auszug

Dienstag, 08. Januar 2003

 

Natur in Pracht und Fülle

Günther Hermanns Werke in  Galerie Capriola in Ringheim

 

Die Sehnsucht nach Schönheit wohnt in den Bildern von  Günther Hermann, der Wunsch nach Einheit und nach Vollendung. Vor allem seine Farbradierungen, aber auch seine Aquarelle und Acrylbilder atmen einen romantischen Zauber, der in der Vorstellung einer ewigen Harmonie gründet.

Seine mediterranen Landschaften und englischen Gärten, die in der  Galerie >Capriola< in Großostheim-Ringheim zu sehen sind, scheinen aus der Welt genommen und nur auf sich selbst zu lauschen. Ihre verschwenderische Farbenpracht lockt in verwunschene Parks und führt auf alte Alleen in endloses Sonnenflirren. Nichts stört die Feier der Natur, Sie ist ganz eins mit sich, ob in fein gestalteten Gartenarchitekturen oder in gewachsenem, knorrigen Alter – Stets bereitet sie aus der Fülle ein Fest. 

Dieser Eindruck gelingt dem 1956 in Gießen geborenen Künstler, der nach dem Studium der Malerei an der Hochschule für bildende Künste in Frankfurt heute mit seiner Familie als freischaffender Maler und Grafiker in seiner Heimat lebt, durch seine aufwendige Technik, die jahrelange Erfahrung benötigt. Seine Farbradierungen brillieren mit einem Reichtum an Tönen, die sich in feinsten Nuancen komplementär steigern, Rot und Grün, Blau und Gelb mit feinsten Strichen nebeneinander setzen und auf diese weise eine geheimnisvolle Kommunikation wie in einem Märchen erreichen. Alles scheint zu leben, zu locken, zu duften und sich immer weiter zu entfalten. Die alten Olivenbäume etwa in Andalusien mit ihren Stämmen, die sich wie mächtige Leiber ausbreiten und mit ihren Auswüchsen, ihren Verflechtungen und filigranen Drehungen wie mit Gliedmaßen zu atmen scheinen, entwickeln einen von leisen Windhauchen durchzogenen Rhythmus, der sich Ton in Ton, in Licht und Schatten fortpflanzt und die aus Erde kommenden Riesen mit dem Himmel vereint. 

 

Rhododendronweg, Abbotsbury - Subtropical Garden  ,  Acryl 

 

 

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Dieses feine Spiel von Hell und Dunkel, das bis in glänzenden Weiß und tiefes Schwarz reicht und einen unendlichen Reichtum an Grüntönen kennt, bestimmt auch seine Platanenallee in der Provence. Man scheint die leise Bewegung der Blätter zu hören, den Duft des weiten Lavendelfeldes zu atmen und in der überfluteten Pracht eines in Weiß und Gelb aufrauschenden Rhododendrenweges zu versinken. 

Und immer wieder ist die Vollendung, die fasziniert, beim japanischen Garten ebenso wie bei der Anlage der Villa Rahmeh, die jenen Idealzustand von Menschen geschaffener Natur darstellt, wie sie schöner nicht denkbar ist. 

Anneliese Euler